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Immobilien in Wiesbaden, 1880 Ergebnisse

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Wohnen in der Weltkurstadt
Wiesbaden hatte aufgrund der mangelnden Industrie das Glück, im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) weitestgehend von den Bombardements der Alliierten verschont zu bleiben, lediglich achtzehn Prozent der Wohngebäude wurden zerstört. Die Innenstadt verlor zwar 30% ihrer Bauwerke, jedoch die wichtigsten Straßenzüge und Konstruktionen blieben erhalten. Entstanden in einem Zeitrahmen von ungefähr 60 Jahren, was ungefähr der gesamten Gründerzeitepoche von 1850 bis 1914 entspricht, bietet die Innenstadt von Wiesbaden ein sehr einheitliches Bild. Neben den typischen Gründerzeithäusern entstanden auch viel Gebäude im Stil des Klassizismus (1770 bis 1840), des Historismus (Rückgriff und Nachahmung älterer Stilrichtungen) und des Jugendstils (um 1900). Die teilweise äußerst prachtvollen Gebäude entsprangen dem Wunsch nach Repräsentation der Angehörigen des kaiserlichen Hofstaats, der den Kaiser bei seiner jährlichen Kur begleitete, sowie dem Luxusgedanken der zahlreichen finanzstarken Gäste. Durch die vielen Grünflächen und ausgedehnten Parkanlagen entsteht ein Bild der Leichtigkeit, dass die oftmals streng wirkende Optik vieler Straßenzüge auflockert.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Wohngebiete gebaut, die von Alleen durchzogen sind und deren Hausfassaden eine aufwendige Gestaltung aufweisen. Sehr edle wirken dabei das Feldherren-, Dicher- und Rheingauviertel mit ihren reich geschmückten Bürgerhäusern im Stil des Historismus aus der Zeit zwischen 1881 bis 1903. Die teilweise riesigen Wohnungen mit den gigantischen Flügeltüren, 3,50 Meter hohen Decken und den aufwendigen Stuckarbeiten sind inzwischen oftmals auf "Normalmaße" des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts verkleinert, wenn es auch noch immer Wohnungen mit Originalgröße gibt. Sehr beliebt ist das Viertel bei jungen Familien mit mittlerem Einkommen und gehobener Bildung, auch viele Studenten leben hier. Allerdings stehen an den Rändern des Viertels die typischen Häuser der sechziger Jahre, die den Gesamteindruck nur eingegrenzt stören.

Die Ringstraße besteht überwiegend aus viergeschossigen Bürgerhäusern mit Erkern, Säulen, Balkonen und Stuckelementen an den prachtvollen Fassaden, die Eckgebäude sind dabei nach Berliner und Wiener Vorbildern gestaltet und fallen besonders auf. Gerade in dieser Straße, die zum einen mit 35 bis 40 Metern eine sehr breite Gestaltung hat und zum anderen einen Mittelstreifen mit Platanen besitzt, sind die verschiedenen Einflüsse im Historismus zu sehen. Gebäude in Neogotik, Neorenaissance, Neobarock und Jugendstil, oftmals auch als Mischung, stehen hier nebeneinander. Bei den Mischformen sind besonders Elemente aus der Antike wie ionische, dorische oder korinthische Säulen sehr beliebt. Ein sehr edles Wohnviertel am Rand der Kernstadt ist das 1929 eingemeindete Sonnenberg. Um den historischen Stadtkern herum hat sich ein Villenviertel der gehobenen Art mit sehr schönen Häusern in typischen Gärten der Jahrhundertwende entwickelt. Sonnenberg ist auch heute noch ein Wohngebiet der oberen Mittel- und der Oberschicht.

Wie in so gut wie jeder größeren Stadt sind am Stadtrand die meisten Wohngebiete mit neuerer Bebauung vorhanden. Einen extremen Gegensatz zu der wunderschönen Innenstadt bietet das Wohngebiet Klarenthal, an den Taunushängen entstand Anfang der sechziger Jahre eine für diese Zeit typische Trabantenstadt. Die großen Mehrfamilienhäuser und Hochhäuser sind zwar in viel Grün eingebettet, dennoch wirkt die Ansiedlung mit ihren Wohnsilos wie bei anderen Großraumsiedlungen auch wie ein schlechtes Beispiel für Architektur. Neben den großen Mietshäusern entstanden Gebiete mit Reihenhausbebauung, die noch immer gerne vom Mittelstand bewohnt werden, andere Bereiche der Satellitenstadt haben sich im Laufe der Jahre zum sozialen Brennpunkt entwickelt, ein Problem, was viele andere Gemeinden von ihren Gebieten mit ähnlicher Bebauung auch kennen.
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